Die Gründung eines Gastronomiebetriebs erfordert erhebliches Kapital. Ob Küchenausstattung, Einrichtung, Mietkaution oder die ersten Monate ohne Gewinn - schnell kommen 50.000 bis 200.000 Euro zusammen. Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Förderprogramme und Finanzierungsmöglichkeiten speziell für Gründer. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten.
Wie viel Kapital brauche ich wirklich?
Bevor Sie sich um Finanzierung kümmern, müssen Sie wissen, wie viel Geld Sie tatsächlich benötigen. Ein häufiger Fehler: Gründer kalkulieren zu knapp und geraten nach wenigen Monaten in Liquiditätsprobleme.
Typische Investitionen bei der Gastronomie-Gründung
- Umbau und Renovierung: 20.000 - 100.000 Euro (je nach Zustand des Objekts)
- Küchenausstattung: 15.000 - 80.000 Euro (Gastro-Geräte sind teuer!)
- Möbel und Einrichtung: 10.000 - 50.000 Euro
- Kassensystem und Technik: 2.000 - 5.000 Euro
- Erstausstattung Waren: 3.000 - 10.000 Euro
- Kaution (3 Monatsmieten): 5.000 - 30.000 Euro
- Genehmigungen und Beratung: 2.000 - 5.000 Euro
- Marketing zur Eröffnung: 2.000 - 10.000 Euro
- Reserve für 3-6 Monate: 20.000 - 60.000 Euro
Faustformel: Kalkulieren Sie mindestens 6 Monate Anlaufzeit, in denen Sie keine Gewinne erzielen. Die Betriebskosten (Miete, Personal, Waren, Versicherungen) müssen in dieser Zeit aus dem Startkapital bezahlt werden.
Eigenkapital: Die Basis jeder Finanzierung
Banken und Förderstellen erwarten, dass Sie einen Teil des Kapitals selbst mitbringen. Als Faustregel gilt: mindestens 20-30% Eigenkapital sollten Sie aufbringen können.
Eigenkapital umfasst:
- Eigene Ersparnisse
- Geld von Familie oder Freunden (am besten mit Vertrag!)
- Sacheinlagen (eigene Geräte, Möbel)
- Eigenleistung (Umbauarbeiten selbst durchführen)
Je mehr Eigenkapital Sie einbringen, desto besser sind Ihre Chancen auf Kredite und desto günstiger die Konditionen.
KfW-Förderprogramme für Gründer
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist die wichtigste Anlaufstelle für Gründerfinanzierung in Deutschland. Sie bietet zinsgünstige Kredite, die über Ihre Hausbank beantragt werden.
ERP-Gründerkredit StartGeld
Der Klassiker für Existenzgründer mit einem Finanzierungsbedarf bis 125.000 Euro. Besonders attraktiv: Sie benötigen keine banküblichen Sicherheiten, da die KfW zu 80% das Risiko übernimmt.
ERP-Kapital für Gründung
Für größere Vorhaben bis 500.000 Euro. Funktioniert wie Eigenkapital und verbessert Ihre Bonität für weitere Finanzierungen. Nachrangig gegenüber anderen Krediten.
Wichtig: KfW-Kredite werden ausschließlich über Ihre Hausbank beantragt. Sie müssen zuerst Ihre Bank überzeugen, die dann den Antrag bei der KfW einreicht. Eine gute Vorbereitung mit professionellem Businessplan ist daher unerlässlich.
Gründungszuschuss vom Arbeitsamt
Wenn Sie aus der Arbeitslosigkeit gründen, können Sie den Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Dies ist ein echtes Geschenk - Sie müssen das Geld nicht zurückzahlen!
Voraussetzungen
- Sie beziehen Arbeitslosengeld I (ALG I)
- Bei Gründung haben Sie noch mindestens 150 Tage Restanspruch auf ALG I
- Sie können eine fachkundige Stellungnahme vorlegen (z.B. von IHK oder Steuerberater)
- Sie sind hauptberuflich selbstständig
Höhe der Förderung
Der Gründungszuschuss besteht aus zwei Phasen:
- Phase 1 (6 Monate): Ihr bisheriges ALG I + 300 Euro für Sozialversicherung
- Phase 2 (9 Monate, optional): 300 Euro monatlich für Sozialversicherung
Bei einem durchschnittlichen ALG I von 1.200 Euro erhalten Sie also in den ersten 6 Monaten rund 9.000 Euro geschenkt.
Landesförderungen und regionale Programme
Neben den Bundesprogrammen gibt es zahlreiche Landesförderprogramme, die je nach Bundesland variieren. In Mainz und Rheinland-Pfalz gibt es beispielsweise:
Gründungs- und Wachstumsfinanzierung (GuW)
Förderung des Landes Rheinland-Pfalz für Existenzgründer und junge Unternehmen. Zinsgünstige Darlehen für Investitionen und Betriebsmittel.
Informieren Sie sich bei Ihrer lokalen Wirtschaftsförderung oder der IHK über regionale Fördermöglichkeiten. Oft gibt es auch kommunale Zuschüsse für Innenstadtbelebung oder Leerstandsbeseitigung.
Mikrokredite und alternative Finanzierung
Nicht jeder bekommt einen Bankkredit. Für kleinere Beträge oder bei schwierigerer Bonität gibt es Alternativen:
Mikrokredite
Kleine Kredite zwischen 1.000 und 25.000 Euro, die auch ohne klassische Sicherheiten vergeben werden:
- Mikrokreditfonds Deutschland: Bis 25.000 Euro für Kleinunternehmer
- Deutschlands Mikrofinanzinstitute: Regionale Anbieter mit persönlicher Betreuung
Bürgschaftsbanken
Wenn Ihnen Sicherheiten fehlen, können Bürgschaftsbanken einspringen. Sie übernehmen bis zu 80% des Ausfallrisikos und ermöglichen so Bankfinanzierungen.
Crowdfunding
Für Gastronomieprojekte mit besonderem Konzept kann Crowdfunding eine interessante Option sein. Plattformen wie Startnext ermöglichen es, Geld von der Community zu sammeln - oft kombiniert mit Gegenleistungen wie Gutscheinen oder exklusiven Events.
Der Weg zur Finanzierung: Schritt für Schritt
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Businessplan erstellen
Ein professioneller Businessplan ist die Grundlage jeder Finanzierung. Er enthält Ihre Geschäftsidee, Marktanalyse, Finanzplan und zeigt, dass Sie Ihr Vorhaben durchdacht haben. Holen Sie sich professionelle Hilfe von Gründerberatungen (oft kostenlos gefördert!). -
Fördermittelcheck durchführen
Prüfen Sie systematisch, welche Förderprogramme für Sie in Frage kommen. Nutzen Sie die Förderdatenbank des Bundes (foerderdatenbank.de) oder lassen Sie sich bei der IHK beraten. -
Eigenkapital zusammenstellen
Dokumentieren Sie Ihr verfügbares Eigenkapital. Klären Sie mit Familie und Freunden, wer sich beteiligen möchte. Erstellen Sie einen Finanzierungsplan. -
Hausbank ansprechen
Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer Bank mit allen Unterlagen. KfW-Kredite werden über die Hausbank beantragt. Bereiten Sie sich auf kritische Fragen vor. -
Fördermittel beantragen
Reichen Sie die Anträge ein - aber BEVOR Sie starten! Die meisten Förderprogramme setzen voraus, dass Sie noch nicht begonnen haben. Dokumentieren Sie alle Ausgaben sorgfältig. -
Finanzierung sichern
Warten Sie die Zusagen ab, bevor Sie verbindliche Verträge unterschreiben. Planen Sie Puffer für unvorhergesehene Kosten und Verzögerungen ein.
Häufige Fehler bei der Finanzierung
Fehler 1: Zu wenig Kapital einplanen
Die Eröffnungsphase dauert oft länger als gedacht. Planen Sie mindestens 6 Monate Anlaufzeit ohne Gewinne ein. Lieber zu viel Kapital aufnehmen als zu wenig!
Fehler 2: Förderung zu spät beantragen
Die meisten Förderprogramme setzen voraus, dass Sie NOCH NICHT begonnen haben. Unterschreiben Sie keinen Mietvertrag und kaufen Sie keine Geräte, bevor die Förderung bewilligt ist.
Fehler 3: Nur einen Finanzierungsweg verfolgen
Kombinieren Sie verschiedene Finanzierungsquellen: Eigenkapital + Gründungszuschuss + KfW-Kredit + Landesförderung. So streuen Sie das Risiko und verbessern die Konditionen.
Fehler 4: Keinen professionellen Businessplan
Ein selbstgeschriebener Businessplan reicht oft nicht aus. Investieren Sie in professionelle Beratung - die Kosten werden teilweise gefördert (BAFA-Beratungsförderung).
Tipp: Die Gründerberatung der IHK ist kostenlos und oft der beste erste Schritt. Die Berater kennen alle regionalen Förderprogramme und können Türen öffnen.
Fazit: Gut vorbereitet in die Finanzierung
Die Finanzierung Ihres Gastronomiebetriebs erfordert Zeit, Geduld und gute Vorbereitung. Nutzen Sie die vielfältigen Fördermöglichkeiten - sie existieren, um Gründern wie Ihnen den Start zu erleichtern.
Wichtig ist, dass Sie sich professionell beraten lassen und nichts überstürzen. Ein paar Wochen mehr Vorbereitungszeit können Ihnen Zehntausende Euro an günstiger Finanzierung sichern.
Bei EasySteuern unterstützen wir Gastro-Gründer von der ersten Idee bis zum laufenden Betrieb. Gerne helfen wir Ihnen auch bei der Erstellung der Finanzplanung für Ihren Businessplan.
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