Personalkosten sind in der Gastronomie einer der groessten Kostenbloecke - typischerweise machen sie 30 bis 40 Prozent des Umsatzes aus. In Zeiten von Mindestlohnerhoehungen und Fachkraeftemangel wird die Optimierung dieser Kosten immer wichtiger. Doch Optimieren heisst nicht zwingend Sparen: Es geht darum, das vorhandene Budget moeglichst effektiv einzusetzen.
Personalkosten verstehen: Was gehoert dazu?
Bevor Sie optimieren koennen, muessen Sie wissen, welche Kosten tatsaechlich anfallen. Die Personalkosten setzen sich zusammen aus:
Direkte Lohnkosten
- Bruttolohn: Das vereinbarte Gehalt inklusive aller Zuschlaege
- Ueberstundenverguetung: Haeufig mit Zuschlaegen von 25-50%
- Sonn- und Feiertagszuschlaege: In der Gastronomie besonders relevant
- Nachtzuschlaege: Fuer Arbeit zwischen 23 und 6 Uhr
Lohnnebenkosten (Arbeitgeberanteil)
- Krankenversicherung: ca. 7,3% (plus kassenindividueller Zusatzbeitrag)
- Rentenversicherung: 9,3%
- Arbeitslosenversicherung: 1,3%
- Pflegeversicherung: 1,7% (fuer Kinderlose hoeher)
- Berufsgenossenschaft: Branchenabhaengig, in der Gastronomie ca. 1-2%
- Umlagen: U1, U2, Insolvenzgeldumlage
In Summe liegen die Lohnnebenkosten bei etwa 20-22% des Bruttolohns. Ein Mitarbeiter mit 2.500 Euro brutto kostet Sie also tatsaechlich rund 3.000 Euro.
Weitere Personalkosten
- Arbeitskleidung und Reinigung
- Fortbildungen und Schulungen
- Personalverpflegung
- Betriebliche Altersvorsorge (falls angeboten)
- Kosten fuer Personalsuche und Einarbeitung
Strategie 1: Die richtige Beschaeftigungsform waehlen
Nicht jede Stelle muss eine Vollzeitstelle sein. Die Gastronomie bietet verschiedene Beschaeftigungsformen, die je nach Bedarf unterschiedlich kosteneffizient sind.
Minijobs fuer regelmaessige Ergaenzung
Minijobs eignen sich hervorragend fuer:
- Wochenendverstaerkung im Service
- Regelmaessige Reinigungstaetigkeiten
- Kuechenhilfen fuer bestimmte Schichten
Die Abgabenlast liegt bei etwa 30% - hoeher als bei regulaeren Beschaeftigungen, aber der Minijobber erhaelt seinen Lohn netto. Das macht diese Form fuer viele Arbeitnehmer attraktiv.
Kurzfristige Beschaeftigung fuer Spitzenzeiten
Die kurzfristige Beschaeftigung ist ideal fuer:
- Sommersaison mit Biergarten oder Terrasse
- Weihnachtsgeschaeft und Silvester
- Messen und Grossveranstaltungen
- Krankheitsvertretungen
Hier fallen keine Sozialversicherungsbeitraege an - ein erheblicher Kostenvorteil gegenueber regulaeren Beschaeftigungen.
Teilzeit statt Vollzeit plus Minijob
Manchmal ist es guenstiger, einen Mitarbeiter in Teilzeit anzustellen als einen Vollzeitmitarbeiter plus Minijobber. Rechnen Sie verschiedene Szenarien durch:
Rechenbeispiel
Variante A: Vollzeitkraft (2.500 Euro brutto) + Minijobber (538 Euro)
Gesamtkosten: ca. 3.000 + 700 = 3.700 Euro
Variante B: Zwei Teilzeitkraefte (je 1.500 Euro brutto)
Gesamtkosten: ca. 2 x 1.800 = 3.600 Euro
Die Teilzeitvariante bietet zudem mehr Flexibilitaet bei der Schichtplanung.
Strategie 2: Steuerfreie und pauschal versteuerte Lohnbestandteile nutzen
Nicht alles, was Sie Ihren Mitarbeitern geben, muss voll versteuert werden. Nutzen Sie legale Gestaltungsmoeglichkeiten:
Steuerfreie Zuschlaege
Zuschlaege fuer Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit sind unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei:
- Sonntagszuschlag: Bis zu 50% des Grundlohns steuerfrei
- Feiertagszuschlag: Bis zu 125% steuerfrei (an bestimmten Feiertagen bis 150%)
- Nachtzuschlag: 25% steuerfrei (bei Arbeit vor 0 Uhr: 40%)
In der Gastronomie, wo Wochenend- und Nachtarbeit zum Alltag gehoert, ist das ein erheblicher Vorteil. Ein Mitarbeiter kann netto mehr bekommen, ohne dass Ihre Kosten steigen.
Sachbezuege clever einsetzen
Statt Gehaltserhoehungen koennen Sie steuerguenstige Sachbezuege anbieten:
- Personalverpflegung: Mahlzeiten zum Sachbezugswert (2025: 2,30/4,40 Euro) - mehr dazu in unserem Artikel zu Sachbezuegen
- Jobticket: Seit 2019 steuerfrei, wenn zusaetzlich zum Lohn
- Fahrrad-Leasing: Dienstrad-Modelle sind steuerlich attraktiv
- Sachbezugsfreigrenze: 50 Euro monatlich steuerfrei (z.B. Tankgutscheine)
Betriebliche Altersvorsorge
Beitraege zur betrieblichen Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung reduzieren das Bruttogehalt und damit Ihre Lohnnebenkosten. Gleichzeitig binden Sie Mitarbeiter an Ihr Unternehmen.
Strategie 3: Effiziente Personalplanung
Die beste Kostenoptimierung nuetzt nichts, wenn das Personal nicht effizient eingesetzt wird. In der Gastronomie mit stark schwankender Auslastung ist gute Planung entscheidend.
Analyse der Stosszeiten
Wissen Sie genau, wann Ihr Betrieb wie stark ausgelastet ist? Analysieren Sie:
- Umsatzverteilung ueber Wochentage und Tageszeiten
- Saisonale Schwankungen
- Einfluss von Wetter, Events und Feiertagen
Mit diesen Daten koennen Sie Schichtplaene optimieren und Ueber- oder Unterbesetzung vermeiden.
Flexible Arbeitszeitmodelle
Starre 8-Stunden-Schichten passen selten zur Gastronomie. Pruefen Sie flexible Modelle:
- Geteilte Schichten: Mittags und abends, dazwischen frei
- Kurze Einsaetze: Verstaerkung nur fuer 3-4 Stunden zur Stosszeit
- Arbeitszeitkonten: Mehr Stunden in der Hochsaison, Ausgleich im Winter
Ueberstunden vermeiden
Ueberstunden kosten nicht nur Zuschlaege, sondern fuehren auch zu Erschoepfung und Fehlern. Besser: Fruehzeitig zusaetzliches Personal einplanen, z.B. durch kurzfristige Beschaeftigungen.
Strategie 4: Fluktuation reduzieren
Die Gastronomie hat traditionell eine hohe Mitarbeiterfluktuation. Doch jeder Wechsel kostet:
- Recruiting-Kosten: Stellenanzeigen, Bewerbungsprozess
- Einarbeitungszeit: Neue Mitarbeiter sind anfangs weniger produktiv
- Qualitaetsverlust: Erfahrene Kraefte kennen Stammgaeste und Ablaeufe
Investitionen in Mitarbeiterbindung zahlen sich aus:
- Faire Bezahlung und transparente Verguetungssysteme
- Geregelte Arbeitszeiten soweit moeglich
- Wertschaetzung und gutes Betriebsklima
- Entwicklungsmoeglichkeiten und Weiterbildungen
- Beteiligung am Erfolg (Trinkgeldverteilung, Boni)
Strategie 5: Lohnbuchhaltung professionalisieren
Fehler in der Lohnabrechnung koennen teuer werden - sowohl durch Nachzahlungen als auch durch verpasste Optimierungsmoeglichkeiten.
Typische Fehler vermeiden
- Zuschlaege nicht korrekt als steuerfrei abgerechnet
- Sachbezuege nicht oder falsch erfasst
- Minijob-Grenzen ueberschritten
- Fehlende Dokumentation fuer Betriebspruefungen
Die richtige Unterstuetzung holen
Eine spezialisierte Lohnbuchhaltung kennt die Besonderheiten der Gastronomie. Sie stellt sicher, dass:
- Alle steuerfreien Zuschlaege korrekt abgerechnet werden
- Sachbezuege optimal gestaltet sind
- Die guenstigste Beschaeftigungsform gewaehlt wird
- Alle Meldepflichten eingehalten werden
Kosten der Lohnbuchhaltung
Professionelle Lohnbuchhaltung kostet je Mitarbeiter und Monat zwischen 15 und 30 Euro. Angesichts der moeglichen Optimierungen und vermiedenen Fehler ist das gut investiertes Geld.
Konkrete Massnahmen-Checkliste
Gehen Sie diese Punkte durch und pruefen Sie das Optimierungspotenzial fuer Ihren Betrieb:
- Beschaeftigungsformen pruefen: Sind Minijobs und kurzfristige Beschaeftigungen richtig eingesetzt?
- Zuschlaege analysieren: Werden Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschlaege korrekt steuerfrei abgerechnet?
- Sachbezuege nutzen: Bieten Sie Personalverpflegung, Jobticket oder andere steuerguenstige Leistungen an?
- Arbeitszeiten optimieren: Passt die Personalplanung zur tatsaechlichen Auslastung?
- Ueberstunden reduzieren: Gibt es regelmaessige Ueberstunden, die durch bessere Planung vermeidbar waeren?
- Fluktuation bekaempfen: Was koennen Sie tun, um Mitarbeiter laenger zu halten?
- Lohnbuchhaltung professionalisieren: Werden alle Optimierungsmoeglichkeiten genutzt?
Fazit: Optimieren statt nur Sparen
Die Optimierung der Lohnkosten bedeutet nicht, am Personal zu sparen. Es geht darum, die vorhandenen Mittel intelligent einzusetzen: die richtige Beschaeftigungsform waehlen, steuerliche Moeglichkeiten nutzen und die Arbeitszeit effizient planen.
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