Schwund und Verderb sind in der Gastronomie unvermeidlich - aber wie erfassen und buchen Sie diese Warenverluste korrekt? In diesem Artikel erklaeren wir die verschiedenen Arten von Warenverlusten, zeigen die richtigen Buchungssaetze und geben Tipps zur Minimierung und korrekten Dokumentation.

Was sind Schwund und Verderb?

Unter Warenverlust versteht man alle Faelle, in denen eingekaufte Waren nicht zum geplanten Verkaufspreis veraeussert werden koennen. In der Gastronomie unterscheiden wir verschiedene Arten:

Verderb

Waren, die aufgrund von Qualitaetsverlust nicht mehr verkauft werden koennen:

  • Abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD)
  • Verdorbene Lebensmittel (Schimmel, Faeulnis)
  • Qualitaetsmaengel (welkes Gemuese, altes Brot)
  • Falsche Lagerung fuehrte zum Verderb

Schwund

Bestandsdifferenzen, deren Ursache nicht eindeutig zuordenbar ist:

  • Diebstahl (durch Mitarbeiter oder Gaeste)
  • Nicht erfasste Entnahmen
  • Fehler bei der Inventur oder Buchung
  • Unkontrollierte Verkostungen

Bruch

Waren, die durch Beschaedigung nicht mehr verkaufsfaehig sind:

  • Zerbrochene Flaschen
  • Beschaedigte Verpackungen
  • Unfaelle in der Kueche

Produktionsverlust

Normaler Verlust bei der Zubereitung:

  • Putzverlust bei Gemuese
  • Garverlust bei Fleisch
  • Verschnitt

Wichtige Unterscheidung

Produktionsverlust ist kein Schwund im eigentlichen Sinne - er ist in der Preiskalkulation bereits beruecksichtigt. Schwund und Verderb sind dagegen ungeplante Verluste, die Ihre Wareneinsatzquote verschlechtern.

Warum muss Schwund gebucht werden?

Die korrekte Buchung von Warenverlusten ist aus mehreren Gruenden wichtig:

  • Korrekte Bestandsfuehrung: Ihr Buchbestand muss mit dem tatsaechlichen Bestand uebereinstimmen
  • Aussagekraeftige Auswertungen: Nur mit korrekten Daten koennen Sie Ihre Warenwirtschaft analysieren
  • Steuerliche Anforderungen: Das Finanzamt erwartet eine nachvollziehbare Dokumentation
  • Betriebspruefung: Unerklaerliche Bestandsdifferenzen fuehren zu kritischen Rueckfragen
  • Ursachenanalyse: Nur dokumentierte Verluste koennen analysiert und reduziert werden

Die richtigen Konten (SKR03)

Im Standardkontenrahmen SKR03 gibt es verschiedene Konten fuer Warenverluste:

Buchungssaetze fuer verschiedene Szenarien

Szenario 1: Verdorbene Ware (mit Vorsteuerkorrektur)

Wenn Waren verderben, muss unter bestimmten Umstaenden auch die beim Einkauf geltend gemachte Vorsteuer korrigiert werden.

Beispiel: Verdorbenes Fleisch im Wert von 100 Euro (netto)

Konto Soll Haben
4965 Abschreibungen auf Vorraete 100,00
an 1140 Waren 100,00

Vorsteuerkorrektur erforderlich?

Eine Vorsteuerkorrektur nach Paragraph 15a UStG ist bei verdorbener Ware in der Regel nicht erforderlich, da der Verderb ausserhalb der Einflusssphaere des Unternehmers liegt (BMF-Schreiben). Trotzdem sollten Sie dies im Einzelfall mit Ihrem Steuerberater klaeren.

Szenario 2: Schwund bei Inventur festgestellt

Bei der Inventur stellen Sie eine Differenz zwischen Buchbestand und tatsaechlichem Bestand fest.

Beispiel: Inventurdifferenz von 500 Euro

Konto Soll Haben
4960 Verluste aus Warenschwund 500,00
an 3900 Bestandsveraenderung 500,00

Szenario 3: Bruch/Beschaedigung

Eine Kiste Wein faellt herunter und zerbricht.

Beispiel: Bruch einer Weinkiste (Einkaufswert 80 Euro netto)

Konto Soll Haben
4960 Verluste aus Warenschwund 80,00
an 1140 Waren 80,00

Szenario 4: Personalverpflegung / Eigenverbrauch

Wenn Mitarbeiter oder Sie selbst Waren aus dem Betrieb entnehmen, handelt es sich um eine unentgeltliche Wertabgabe, die anders zu behandeln ist.

Beispiel: Personalessen im Wert von 50 Euro (netto)

Konto Soll Haben
4152 Sachbezuege / Mitarbeiterverpflegung 59,50
an 8915 Unentgeltliche Wertabgabe 19% 50,00
an 1776 Umsatzsteuer 19% 9,50

Sachbezugswerte 2025

Fuer die Bewertung von Mitarbeiterverpflegung gelten pauschale Sachbezugswerte (2025: Fruehstueck 2,17 Euro, Mittag-/Abendessen je 4,13 Euro). Diese koennen alternativ zur Einzelbewertung verwendet werden.

Dokumentationspflichten

Eine saubere Dokumentation ist das A und O - besonders im Hinblick auf Betriebspruefungen:

Dokumentation bei Schwund und Verderb

  • Datum des Vorfalls bzw. der Feststellung
  • Genaue Bezeichnung der Ware (Menge, Einheit, Artikel)
  • Einkaufswert (netto)
  • Ursache (Verderb, Bruch, Schwund, etc.)
  • Bei Verderb: Fotos als Nachweis
  • Unterschrift des Verantwortlichen
  • Verweis auf Inventurliste oder Schwundprotokoll

Schwundprotokoll fuehren

Fuehren Sie ein laufendes Schwundprotokoll, in dem Sie alle Warenverluste zeitnah erfassen:

Datum Artikel Menge Wert (netto) Ursache Nachweis
15.03. Rinderfilet 2 kg 64,00 Euro Verderb (Kuehlkette) Foto
18.03. Rotwein Chianti 6 Fl. 42,00 Euro Bruch Transport Lieferschein
22.03. Lachs 1,5 kg 37,50 Euro MHD abgelaufen Foto MHD
31.03. Diverse - 125,00 Euro Inventurdifferenz Inventurliste

Branchenueblicher Schwund in der Gastronomie

Das Finanzamt kennt branchenuebliche Schwundquoten. Liegen Ihre Verluste deutlich darueber, muessen Sie mit kritischen Rueckfragen rechnen:

Warengruppe Akzeptable Schwundquote Hinweis
Lebensmittel gesamt 2 - 4% Bezogen auf den Wareneinsatz
Frischfleisch 3 - 5% Hoeher wegen kurzer Haltbarkeit
Fisch und Meeresfruechte 4 - 6% Sehr empfindliche Ware
Obst und Gemuese 3 - 5% Inkl. normalem Putzverlust
Getraenke 1 - 2% Hauptsaechlich Bruch
Spirituosen 1 - 3% Inkl. Verdunstung bei offenen Flaschen

Vorsicht bei Betriebspruefung

Ueberdurchschnittlich hohe Schwundquoten ohne plausible Erklaerung koennen zur Hinzuschaetzung von Umsaetzen fuehren. Das Finanzamt unterstellt dann, dass Waren ohne Rechnung verkauft wurden. Eine lueckenlose Dokumentation schuetzt Sie vor solchen Vorwuerfen.

Steuerliche Auswirkungen

Gewinnauswirkung

Warenverluste mindern Ihren Gewinn - sie sind als Betriebsausgabe abzugsfaehig, sofern sie betrieblich veranlasst und nachgewiesen sind.

Umsatzsteuer

Bei echtem Warenschwund (Verderb, Bruch, Diebstahl) ist grundsaetzlich keine Vorsteuerkorrektur erforderlich, da die Ware weiterhin fuer das Unternehmen bestimmt war. Anders bei:

  • Privatentnahme: Umsatzsteuer auf den Entnahmewert
  • Sachspenden: Unter Umstaenden umsatzsteuerpflichtig
  • Schenkung: Kann umsatzsteuerliche Konsequenzen haben

Schwund und Verderb reduzieren

Die beste Buchung ist die, die gar nicht erst notwendig wird. So reduzieren Sie Ihre Warenverluste:

Bei Verderb

  • First-In-First-Out (FIFO): Aeltere Ware zuerst verbrauchen
  • Korrekte Lagerung: Kuehlkette einhalten, richtige Temperaturen
  • Bedarfsgerechter Einkauf: Nicht zu viel auf Lager
  • MHD-Kontrolle: Regelmaessig Ablaufdaten pruefen
  • Saisonale Speisekarte: Flexibel auf Bestaende reagieren

Bei Schwund/Diebstahl

  • Zugangskontrollen: Lager absperren
  • Vier-Augen-Prinzip: Bei Warenannahme und Inventur
  • Regelmaessige Inventur: Differenzen frueh erkennen
  • Mitarbeiterschulung: Bewusstsein schaffen
  • Kassensystem: Alle Entnahmen erfassen

Bei Bruch

  • Sichere Lagerung: Stabile Regale, richtige Stapelhoehe
  • Schulung: Korrekter Umgang mit empfindlicher Ware
  • Qualitaetskontrolle: Bei Anlieferung pruefen

Auswertung und Controlling

Nutzen Sie Ihre Schwunddaten fuer das betriebliche Controlling:

  • Schwundquote berechnen: Schwund / Wareneinsatz x 100
  • Nach Warengruppen analysieren: Wo sind die Problemfelder?
  • Zeitliche Entwicklung: Wird es besser oder schlechter?
  • Ursachenanalyse: Was laesst sich vermeiden?
  • Benchmarking: Vergleich mit Branchenwerten

Eine professionelle Buchhaltung fuer die Gastronomie liefert Ihnen diese Auswertungen regelmaessig und hilft, Optimierungspotenziale zu erkennen.

Fazit

Schwund und Verderb gehoeren zum Geschaeft - aber sie muessen kontrolliert und dokumentiert werden. Die wichtigsten Punkte:

  • Zeitnah erfassen: Warenverluste sofort dokumentieren
  • Korrekt buchen: Die richtigen Konten verwenden
  • Nachweisen: Fotos, Protokolle, Inventurlisten fuehren
  • Analysieren: Ursachen erkennen und abstellen
  • Minimieren: Praevention ist besser als Buchung

Mit einer sauberen Dokumentation und den richtigen Prozessen schuetzen Sie sich vor Problemen bei der Betriebspruefung und behalten Ihre Warenwirtschaft im Griff.

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Wir buchen Schwund und Verderb korrekt, erstellen aussagekraeftige Auswertungen und helfen Ihnen, Ihre Warenverluste zu minimieren.

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